Industrie-Designer Sebastian Herkner: Ein Portrait

Industrie-Designer Sebastian Herkner: Ein Portrait

Industrie-Designer Sebastian Herkner: Ein Portrait

Traditionelles Handwerk und moderne Industriesprache: Die Kombination der beiden Elemente versteht derzeit kaum einer besser als der deutsche Industrie-Designer Sebastian Herkner. Nun wurde er jüngst von Maison & Objet zum Designer des Jahres 2019 gekürt.

Möbel, Lampen oder Gebrauchsgegenstände: Gelungenes Alltagsdesign zeichnet sich nicht nur durch ein hohes Maß an Kreativität aus. Entscheidende Zugabe eines jeden Produkts ist seine hohe Fertigungsqualität. Sebastian Herkner, einer der gefragtesten deutschen Jungdesigner, richtet den Fokus bei der Entwicklung seiner Designs konsequent auf den Einsatz traditioneller Handwerkskunst – und verknüpft sie gelungen mit neuen Technologien, Farben und Materialien. Das Ergebnis sind Produkte und Möbelstücke, deren Funktion im Zentrum der Designs steht. Ausgewählte Materialien und Farben unterstützen die simplen Interpretationen.

Auf seiner Webseite sagt Sebastian Herkner selbst dazu: „In meiner Arbeit steckt eine Sensibilität, welche die Funktion, das Material und das Detail von Produkten hervorhebt. Ich interpretiere Merkmale verschiedener gesellschaftlicher und kultureller Kontexte und setze sie in neue Produkte um. Dieses Prinzip verleiht auch alltäglichen Gegenständen Respekt und Persönlichkeit.“ Mit diesem Ansatz überzeugt er derzeit die Branche und nicht zuletzt die Veranstalter der Designmesse Maison & Objet Paris, die Herkner für seine bisherigen Arbeiten zum Designer des Jahres 2019 gekürt hat.

Zeitgenössische Gestaltung und Traditionshandwerk bilden untrennbare Einheit

1981 geboren, studiert Sebastian Herkner Produktdesign an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main, fokussiert sich auf das Design von Alltagsgegenständen und Möbeln. Für kurze Zeit arbeitete er für Stella McCartney in London, wo er sein Gespür für Farben, Materialien und Texturen entwickelt, die für seine Arbeiten prägend sind. 2006 gründet er sein eigenes Designstudio in Offenbach und arbeitet mittlerweile mit großen Designhäusern, darunter Moroso, Pulpo, Thonet oder Rosenthal.

Gegenüber Maison & Objet unterstreicht er die Bedeutung der traditionellen Handwerkskunst für modernes Industriedesign: „Es ist absolut wichtig, dass wir all diese traditionellen Handwerksformen wiederbeleben, bevor sie für immer verloren gehen. Denn sie ist ein wesentlicher Bestandteil unseres kulturellen Erbes.“ Um die perfekte Umsetzung seiner Entwürfe sicherzustellen, fährt Herkner selbst in die Handwerksbetriebe und schaut sich die Entwicklung der Fertigungen vor Ort an. Wir stellen drei typische Herkner-Entwürfe vor.


Bildquelle: Sebastian Herkner


Der Bell Table: Gegensätzliche Materialien formen sich zu einer überraschenden Einheit

Seine Liebe zur traditionellen Handwerkskunst gleichzeitiger Innovationskraft zeigt Sebastian Herkner bereits 2009 mit seinem berühmten Beistelltisch Bell Table, der seit 2012 im Programm des deutschen Unternehmens Classicon zu finden ist. Zwar arbeitet er beim Couch- und Beistelltisch mit traditionellem Material. Denn der Tisch besteht aus mundgeblasenem Rauchglas und Messing. Doch tatsächlich dreht er die Materialien ad absurdum, indem er den Glasfuß in verschiedenen Farbausführungen als Sockel benutzt, auf dem der Messingaufsatz mit Kristallglas zu schweben scheint. Ein ungewöhnlicher Entwurf, der eine wunderschöne, ja untrennbare Einheit bildet.

Ganz in der Philosophie Herkners wird der Fuß in einer Glasbläserei im Bayerischen Wald handgefertigt und der Tisch so zu einem echten Unikat. In verschiedenen Sondereditionen arbeitet Herkner bei diesem Möbelstück auch mit Kupfer, andere Beistelltische werden mit weißem oder schwarzem Marmor ausgeliefert. Bereits 2010 erhält Sebastian Herkner für den Bell Table den Designerpreis „red dot award“.

Thonet Stuhl 118: Neuinterpretation einer Design-Ikone

Auch für den bekannten Möbelhersteller Thonet, der in diesem Jahr sein 200-jähriges Firmenjubiläum feiert, hat Sebastian Herkner in die Designkiste gegriffen. Im Mittelpunkt steht der Frankfurter Stuhl 118 – ein klassischer Holzstuhl, der seine Eleganz durch eine besonders subtile Ausstrahlung zeigt und erstmals in den 1930er Jahren entwickelt wurde. Der Stuhl besticht durch eine minimalistische, aber stabile Konstruktion aus vier Stuhlbeinen, einem Sitz und einer gebogenen Lehne aus Holz.

Herkner hat den Stuhl ganz im Erbe der Familie Thonet weiterentwickelt und um raffinierte Details ergänzt. Während der Stuhl auf der Rückseite abgerundet ist, sorgen leichte Kanten an der Vorderseite für einen optischen Bruch und unterstützen die hufeisenförmige Sitzfläche. Während der Sitzrahmen aus einem Stück Holz gebogen ist – erstmals beim berühmten Thonetstuhl 214 zu sehen -, besteht die Sitzfläche aus einem in Handarbeit bespannten Rohrgeflecht.

Bildquelle: http://www.thonet.de







Stehleuchte Oda: Modernes Lampendesign mit Blick auf Industriegeschichte

Wie sehr sich Sebastian Herkner von Tradition und Kunst inspirieren lässt und dabei kulturelles Gut bewahren will, zeigt nicht zuletzt die 2014 entwickelte Oda-Stechleuchte. Das Design der Lampe erinnert an ein Lichtreservoir, dessen Look inspiriert wird von den Fotografen Bernd und Hilla Becher: Sie zeigen in ihren Fotoaufnahmen die Eleganz von Wassertürmen und Industriebauten. Bei der Oda-Lampe ist ein filigranes Stahlgestell die Basis für ein mundgeblasenes Glas, indem sich das Leuchtmittel befindet. Dabei ist das Glas selbst getönt und präsentiert sich in Farbnuancen wie Grau, Aubergine, Amber oder Mattweiß.


Bildquelle: pulpoproducts.com


Fazit

Sebastian Herkner scheint nicht nur jederzeit auf der Suche nach den besten Handwerksbetrieben für seine Produktdesigns und Möbelstücke zu sein. Wo er auch hinsieht, inspiriert ihn kulturelles Erbe und Gut. Wir dürfen gespannt sein, mit welchen Kompositionen und Interpretationen Herkner uns in Zukunft überraschen wird.

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