Vier Wochen war der angehende Tischler Jakob Achterkamp im Rahmen eines Auslandspraktikums in Sydney. Dort hat der schrankwerk-Angestellte in der Tischlerei Husk & Co in Sydney gearbeitet und gelernt, wie Betriebe in anderen Ländern funktionieren. Jetzt ist er zurück und berichtet von seinem Praktikum.


Wer an Australien denkt, sieht weiße Traumstrände, die Großstadt Sydney und einzigartige Naturlandschaften. Jakob Achterkamp, Auszubildender in der Tischlerei der Firma Dickmänken, hatte die Chance, den Traum von Australien Realität werden zu lassen. Im Rahmen eines vierwöchigen Auslandspraktikums arbeitete er in der Tischlerei Husk & Co mit – ein Arbeitsort in unmittelbarer Nähe von Sydney. Der Tischlerei-Betrieb des Deutschen Sebastian Kopiec fertigt in seiner modernen Werkstatt hochwertige Möbel für private Wohnhäuser der Region. Es ist ein kleiner Betrieb, der Küchen, Schränke und andere maßgefertigte Möbel in liebevoller Handarbeit fertigt.


Die Komfortzone verlassen und Neues entdecken!

Für Jakob Achterkamp ist das Auslandspraktikum eine Reise in eine komplett unbekannte Welt. Er fliegt zum ersten Mal und spürte den Jetlag zwei Tage lang. Das Wetter ist mit rund 30 Grad sehr sommerlich und auch Sonnenaufgang oder Dämmerung gestalten sich hier spürbar anders als in Deutschland. Gemeinsam mit seinem Kollegen Sven hat sich Jakob Achterkamp im Vorfeld über AirBnB eine Ferienwohnung organisiert. Einkaufen, kochen und das Leben in einer WG ist für beide Neuland - das aber meistern sie mit Bravour. Und auch die Großstadt Sydney macht nach einigen Tagen keine Angst mehr.

 

In der Tischlerei arbeiten die beiden angehenden Tischler 8 Stunden pro Tag. Und sind dabei viel auf Montage unterwegs. Für eines der Projekte müssen sie ans andere Ende von Sydney, was fast eine Stunde Fahrt bedeutet. Dort angekommen wird eine maßgefertigte Küche mit Kücheninsel und Vorratskammer montiert. Eine Besonderheit für Jakob Achterkamp ist nicht nur die Arbeitsfläche aus dem mineralisch-organischen Verbundwerkstoff Corian. Die Küche ist auch so gefertigt, dass sich geöffnete Küchentüren in den Schrank schieben lassen, sodass sie keinen unnötigen Raum wegnehmen. Werkstoffe und Fertigungstechniken sind für Jakob Achterkamp neu und ungewohnt – aber deswegen so spannend.

 

Stefan Dickmänken, Geschäftsführer, erläutert, warum sein Betrieb solch ein Auslandspraktikum gerne gefördert hat: „Viele Betriebe sind durch Spezialisierungen nicht mehr so breit aufgestellt, wie es noch vor einigen Jahren war. Daher ist es gerade für Auszubildende wichtig, über den Tellerrand zu schauen und die Komfortzone zu verlassen. In unserem Fall konnte Jakob in einem deutlich kleineren Betrieb arbeiten und hat gelernt, zu improvisieren, ein Möbelstück mit deutlich mehr Handarbeit fertigzustellen und auch neue Werkstoffe kennen zu lernen.“

 

Mit den Erfahrungen wachsen

Zurück in Deutschland teilt Jakob Achterkamp seine Erfahrungen nicht nur mit seinen Kollegen. Mit Dickmänken-Chef und Geschäftsführer Stefan Dickmänken war er kürzlich auch zu Besuch bei der Handwerkskammer Münster, wo Betriebe geehrt wurden. Für Jakob Achterkamp ist klar: „Ich würde auf jeden Fall anderen jungen Handwerkern empfehlen, ein Auslandspraktikum zu machen, wenn sich die Chance bietet. Man bekommt ein ganz neues Sichtfeld auf den eigenen Job, lernt andere Kulturen kennen und erlebt eine spannende Reise.“ Mit eigenen Kosten zwischen 350 und 500 Euro halte sich der Kostenfaktor dazu im Rahmen.

 

Auch Stefan Dickmänken sieht große Chancen für Auszubildende, die sich in ein solches Abenteuer wagen: „Ein Auslandspraktikum zu absolvieren, ist nicht nur fachlich ein großer Vorteil. Man gewinnt an Persönlichkeit, wächst mit den neuen Situationen und den gestellten Aufgaben. Es bietet zudem die Möglichkeit, neue Menschen und Kulturen kennen zu lernen und nebenbei die Sprachkenntnisse zu erweitern.“

 

Jakob Achterkamp: „Für mich war wirklich alles neu!“

Wie war es nun wirklich in Australien und was hat Jakob Achterkamp von seiner Reise mitgebracht. Wir haben mit dem Mit dem jungen Tischlerauszubildenden über sein Auslandspraktikum gesprochen.

Schrankwerk: Jakob, vier Wochen Auslandspraktikum in Australien sind wie im Fluge vergangen. Hast du Australien mit einem lachenden oder weinenden Auge verlassen?

Jakob Achterkamp: Ehrlich gesagt: Ein bisschen von beidem. Ich hatte eine sehr schöne Zeit in Australien und die Arbeit war sehr abwechslungsreich. Ich habe mich aber selbstverständlich auch wieder auf zu Hause gefreut.

 

Schrankwerk: Die Reise nach Australien war sicher eine Reise vieler „first times“. Welche Dinge hast du tatsächlich zum ersten Mal gemacht?

Jakob Achterkamp: Unglaublich, aber wahr: Ich bin zum ersten Mal geflogen und war auch zum ersten Mal so lange von zu Hause weg. Wenn ich ehrlich bin, war das ganze Auslandspraktikum ein „first time“, denn im Prinzip war ja alles neu.

 

Schrankwerk: Du warst im Tischlereibetrieb von Sebastian Kopiec tätig. Sebastian Kopiec ist selbst Deutscher und will jungen Handwerkern die Chance geben, im Ausland Erfahrungen zu sammeln. Was hast du im Rahmen deines Praktikums genau gemacht?

Jakob Achterkamp: Ich habe in Mona Vale gewohnt, einem Vorort von Sydney und in unmittelbarer Nähe zum Strand gelegen. Die Werkstatt selbst war in Warriewood, was nur fünf Minuten mit dem PKW entfernt ist. In der Werkstadt von Sebastian Kopiec ging es vor allem darum, Korpusse für Schränke zusammenzuschrauben, die später am jeweiligen Auslieferungsort montiert wurden. Außer Haus, also wenn wir auf Montage waren, durfte ich eigentlich alle handwerklichen Dinge wie die Kollegen machen: Sockel ausrichten, Möbelstücke verbinden und verblenden, Türen einhängen sowie einstellen und natürlich auch Schränke saubermachen. Weil es um einen kleineren Betrieb handelt, muss jeder ran.

 

Schrankwerk: Mit wie vielen Personen hast du im Team gearbeitet und wie hat der typische Tagesablauf für dich ausgesehen?

Jakob Achterkamp: Insgesamt fünf Personen inklusive Sebastian Kopiec, darunter einige Deutsche. Zum Beispiel Sven, mit dem ich zusammen nach Australien gereist bin und wir beide im Betrieb beschäftigt waren. Ein weiterer Tischler aus Deutschland war ebenfalls vor Ort, er in diesem Jahr in Deutschland seine Gesellenprüfung absolviert hat und nun für ein Auslandsjahr im Betrieb mitarbeitet.

 

Unser Tag gestaltete sich eigentlich ähnlich wie in Deutschland: Um 7 Uhr musste ich anfangen, wenn es auf Montage ging, auch schonmal 6 Uhr. Um 15 Uhr war dann in der Regel Feierabend, sodass man den Tag noch für andere Dinge nutzen konnte. Das Beste war die Pause, wenn wir auf Montage waren: mit Kaffee und Brötchen direkt am Strand.

 

Jacob Achterkamp

Kochinsel

 

 

Schrankwerk: An welchem Projekt hast du konkret mitgearbeitet?

Jakob Achterkamp: Hauptsächlich an einem Projekt in Freshwater – rund 20 Minuten von der Werkstatt entfernt. Dort haben wir tatsächlich die ganze Wohnung eingerichtet, von der Küche über Schlafzimmer, Vorratskammer oder Wäscheraum und Badezimmer war alles dabei. Das war insofern interessant, da man sehen konnte, wie eine Wohnung Tag für Tag Gestalt annimmt.

 

Schrankwerk: Gibt es etwas, das dir während der vier Wochen besonders schwergefallen ist?

Jakob Achterkamp: Ichmache mit großer Leidenschaft Bogensport und Feuerwehr. Das weiß vielleicht noch der eine oder andere, weil ich vor Kurzem einen Weinschrank konstruiert habe, in dem ein Feuerwehrschlauch heute die Weinflaschen hält. Das hat mir wirklich gefehlt. Und natürlich meine Freunde, mit denen ich in Deutschland doch häufig Dinge durch die Woche mache.

 

Schrankwerk: Neben der Arbeit hat Australien ja jede Menge zu bieten? Welche Erlebnisse sind dir besonders im Kopf geblieben?

Jakob Achterkamp: Mir haben auf jeden Fall die Blue Mountains besonders gut gefallen – ein großes Gebirge mit zerklüfteten Felsen, Eukalyptusbäumen und Wasserfällen, das westlich von Sydney liegt. Umso mehr schmerzt es mich, dass sie gerade brennen. In den Nachrichten hat man ja viel davon gehört. Dazu kommt die Stadt Sydney natürlich, die sehr sehenswert ist. Sie ist voll von verschiedenen Eindrücken und sehr imposant.

 

Schrankwerk: Erzähl uns doch etwas mehr darüber!

Jakob Achterkamp: In Sydney angekommen, mussten wir uns mit der Stadt erst einmal vertraut machen. Und so sind wir ohne ein wirkliches Ziel losgefahren. Natürlich haben wir uns alle Sehenswürdigkeiten angesehen! Dazu haben wir einige gute Tipps von Arbeitskollegen bekommen, die sich recht auskennen. Das war eine große Hilfe.

Vom Busfahren könnte Deutschland von Sydney lernen. Wegen des städtischen Verkehrs benötigt der Bus etwa 45 Minuten bis in die Innenstadt. Dafür fährt er tagsüber aber alle 10 Minuten. Man geht einfach irgendwann zur Haltestelle und schon ist der nächste Bus da. Und bezahlt wird über eine Prepaid-Karte.

 

Landschaftsbils Australien

Oper in Melbourne

 

Schrankwerk: Nun bist du wieder zurück in Deutschland. Woran bist du gewachsen, was hast du gelernt, dass du hier für die Zukunft einsetzen kannst.

Jakob Achterkamp: Kollegen sagen, ich würde reifer und erwachsener wirken. Das kann schon sein, man ist ja doch einige Wochen auf sich alleine gestellt. Kulturunterschiede und eine Fremdsprache inklusive. Ich habe in jedem Fall Spaß am Reisen entdeckt. Und zweimal geflogen, macht mir das auch keine Angst mehr. Also habe ich mir neue Ziele gesetzt: Momentan träume ich von Japan oder den USA.

Eine wichtige Sache, die ich gelernt habe und die ich gerne anderen jungen Erwachsenen mitgeben will: In einem fremden Land muss man keine Angst, dass die Leute uns verstehen. Und wenn es doch einmal passiert, redet man einfach mit Händen und Füßen.

 

Schrankwerk: Du warst kürzlich mit deinem Chef auf einer Veranstaltung, haben wir gehört?  

Jakob Achterkamp: Ja genau. Die Handwerkskammer hat auf einer Veranstaltung junge Handwerker geehrt, die als Ausbildungsbotschafter in Schulen unterwegs waren. In der gleichen Veranstaltung wurden zusätzlich Betriebe geehrt, die mehr als zwei Auszubildende in ein Praktikum nach Europa oder in andere Teile der Welt gesendet haben. Zu diesem Anlass habe ich mit unserem Geschäftsführer Stefan Dickmänken dort ein Interview gegeben.

Ich würde auf jeden Fall jungen Handwerkern empfehlen, ein Auslandspraktikum zu machen, wenn sich einem die Chance bietet. Du bekommst ein ganz neues Sichtfeld auf deinem Job, lernst andere Kulturen kennen und erlebst eine total spannende Reise.

 

Jakob, wir danken dir für das Gespräch!

 

Titelfoto: HWK/Andreas Buck; weitere Fotos: Jakob Achterkamp